Schullandheim Meereswoge

Westlich von Cuxhaven wird die Außenelbe von einem ca.20 km langen etwa 8 km breiten sandigen Wattrücken begleitet, auf ihm liegen 9 bzw. 15km vor dem Festland die Insel Neuwerk und die kleinen Düneninseln Scharhörn und Nigehörn. Das Neuwerker Watt ist nach NO und SW durch Wattströme und Priele gegliedert, in der Mitte ist es so hoch, dass der, "Wattenweg" von Duhnen/ Sahlenburg nach Neuwerk bei Niedrigwasser begangen werden kann. Neuwerk war ursprünglich eine Hallig. Auf dem ebenen, schon bei kleineren Sturmfluten von Salzwasser überschwemmten Vorland, gedeiht die Vegetation der Salzwiese. In Sichtweite von Neuwerk liegen die beiden Eilande Scharhörn und Niegehörn. Alle drei Inseln gehören zu dem 11 700 Hektar großen Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer, der 1990 eingedeicht wurde. Bis zu 100 000 Vögel machen hier auf ihrem Weg in den Süden Station, berichten Vogelkundler vom "Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur"

Im Mittelalter war die sturmflutgefährdete Hallig nicht dauernd bewohnt. 1286 wird "Nige O" als Umschlagplatz für Fische erstmals genannt. Damals erkannte man in Hamburg die strategische Bedeutung der Insel, die durch ihre seewärts vorgeschobene Lage nahe am Elbfahrwasser, mit dem sie ein schiffbarer Priel verbannt, die Elbmündung beherrschte. Im Jahre 1299 erhielt die Stadt Hamburg von den Herzögen von Sachsen das Recht, auf der Hallig ein "Werk" zu errichten. 1300 bis 1310 wurde das "Nyge Werk" gebaut: ein mächtiger roter, 30m hoher Turm, welcher der Insel den Namen gegeben hat und bis heute ihr Wahrzeichen ist. Er diente als feste, seit 1310 von einem Ratsherrn befehligter Stützpunkt Hamburgs; zugleich weist er seither den Schiffen den Weg in die Elbe. Die Turmwurt und die daneben angelegte offene Wasserstelle wurden durch einen kleinen Ringdeich vor Sturmfluten geschützt. Von Neuwerk aus konnten nun Vorstöße von Feinden, vor allem von Seeräubern, gegen die Elbmündung abgewehrt werden. Schiffe fanden hier notfalls Zuflucht. Da auf der Hallig nur Schafhaltung möglich war, mussten Nahrungsmittel vom Festland kommen. Erst 1555 wurden Deiche gebaut, in deren Schutz siedelten sich Bauern und Fischer an, welche nun die Turmbesatzung versorgten. Auf dem Vorland wurde im 17 Jh. eine "Blüse" errichtet, ein Holzgerüst, auf dem in einem Kupferbecken ein offenes Feuer entzündet werden konnte: der erste Leuchtturm . 1815 wurde auf dem Turm ein Lampenfeuer angelegt.

Auf Neuwerk liegt- etwas versteckt von Bäumen und Sträuchern geschützt- der "Friedhof der Namenlosen". In mitten des Wiesengeländes wurde auf Steinen ein Kreuz aus Holz errichtet, um das sich Gräber gruppieren. Die Stätte soll an die vielen unbekannten "Opfer des Meeres" erinnern, die in alten Zeiten "an Land gespült wurden". Der Friedhof macht deutlich, wie gefährlich die See in früheren Zeiten war. Neuwerk merkte das vor allem bei den schweren Sturmfluten, die 1625 und 1717 schwere Schäden auf der Insel anrichteten. So kamen 1717 zwölf Einwohner und alles Vieh ums Leben. Heute schützen rundum Deiche das Eiland; zusätzlich wurden Sommerdeiche errichtet.

Am 1. April 1937 wurde die Insel allerdings durch das Gross- Hamburg- Gesetz im Austausch anderer Gebiete von Hamburg an Preussen und an ein Ortsteil von Cuxhaven abgetreten. Das dritte Reich zerbrach, Preussen wurde dann 1947 durch das Kontrollratsgesetz für aufgelöst erklärt. Niedersachsen übernahm die preussischen Rechte und damit auch die Insel Neuwerk. In der Absicht, Hamburg ein Gebiet für einen grossen Vorhafen bzw. Tiefwasserhafen zu sichern, trat der Senat Anfang der 60er Jahre zum Zwecke des Rückerwerbs von Neuwerk
in Verhandlungen mit dem Land Niedersachsen ein. Am 1.Oktober 1969 trat der Staatsvertrag in Kraft, das Gebiet Neuwerk- Scharhörn kam wieder zurück in den Besitz der Freien und Hansestadt Hamburg. Damit übernahm der Bezirk Hamburg- Mitte die Verwaltung der Insel. Die Bezirksversammlung Hamburg- Mitte wurde im Dezember 1969 über das Wichtigste dieser Neuerwerbung informiert und sprach sich einstimmig für den Namen "Hamburg- Insel Neuwerk" aus. Der Bezirk wurde um 44 Einwohner grösser, heute sind es nurmehr 33. Der Kontakt zwischen dem Bezirksamt und den Insulanern wird noch immer über den zuständigen Ortswart hergestellt. Darüber hinaus finden auf Einladung der Nationalparkverwaltung zweimal im Jahr die sogenannten "Inselgespräche" zwischen Hamburger Behörden und der Inselbevölkerung statt. Auch die Bezirksversammlung besucht in jeder Legislaturperiode Neuwerk, um sich vor Ort über die Anliegen der Bewohner zu informieren.

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